Evangelische Kirche Eitorf

Die Farben der Kirche

– jedes Fest und jeder Sonntag hat seinen festen Platz im Kirchenjahr

altGRÜN, VIOLETT, WEISS, ROT und SCHWARZ, sogar ROSA – so farbig geht es in unserem Kirchenjahr zu, das anders als unser kalendarisches Jahr mit dem
1. Advent beginnt und am Toten- bzw. Ewigkeitssonntag im November endet.
Es ist in drei große Themenkreise unterteilt:
Der Weihnachtsfestkreis (Jesus wird geboren), auf den der Osterfestkreis (Jesus ist gestorben und auferstanden) folgt. An diesen schließt sich die lange Trinitatiszeit an, die nach Jesu Himmelfahrt (Jesus kehrt zu seinem Vater zu­rück) und dem Pfingstfest (der Heilige Geist wird den Aposteln verliehen, die anderen von Jesus erzählen; die erste Gemeinde gründet sich) sich dem Le­ben im christlichen Glauben zuwendet.
Jeder einzelne Sonntag trägt einen bestimmten Namen. Diesem ist auch eine liturgische Farbe zugeordnet, die sich z.B. in liturgischen Gewändern und Altar- und Kanzeldecken (Paramenten und Antependien) wiederfinden kann. Liturgie meint „öffentlicher Dienst“ und beschreibt den Ablauf des Gottesdienstes. Die einzelnen Farben werden in der Feier des Gottesdienstes zur Verdeutlichung der christlichen Feste und ihrer Themen verwandt.
Farben haben eine bestimmte Bedeutung und auch Wirkung auf die Stimmung und das Bewusstsein von Menschen. Sie sprechen den Menschen ganzheitlich an.
Weiß ist die symbolische Farbe des Lichtes, der Klarheit und der Auferstehung für die hohen Christusfeste und ihre Festzeiten: Weihnachten und die Sonntage nach dem Christfest, Epiphanias und der letzte Sonntag nach Epiphanias; Ostern und die Osterzeit und Trinitatis, das Fest der Heiligen Dreifaltigkeit, welches am 1. Sonntag nach Pfingsten gefeiert wird. Es stellt noch einmal dar, wie Gott uns im Heiligen Geist, durch Jesus Christus und als Schöpfer begegnen kann.
Andere Feste, die auf Christus hinweisen, sind: Johannistag am 24. Juni, am 2. Juli der Tag Mariä Heimsuchung, am 29. September der Tag des Erzengels Michael und aller Engel.
Rot als Farbe des Blutes und der Liebe und des Feuers für Pfingsten sowie für diejenigen Feste, die mit dem Wirken von Gottes lebendigem Geist oder der Kirche an sich zu tun haben: Feiertage wie der Reformationstag am 31. Ok­tober, Gedenktage von Märtyrern (z.B. Stephanus am 2. Weihnachtstag) und von Heiligen am 1. November, der Tag der Berufung des Apostels Paulus sowie auch die Feier von Konfirmationen, Kirchweihen, Ordinationen und Kirchenversammlungen, Gedenktage für Katastrophen, die Überwindung sozialer Spannungen, für einen verantwortlichen Umgang mit der Natur und Technik, für die Einheit der Kirche.
Violett ist die Farbe der Buße und Verwandlung, der Besinnung und Einkehr und der Vorbereitung auf die hohen Christusfeste. Von ihr her soll sich die Lebenspraxis der Gläubigen erneuern und neu ausrichten. Dazu gehört die Adventszeit vor Weihnachten, die 7-wöchige Passionszeit vor Ostern, in der des Leidens Jesu gedacht wird, sowie der Buß- und Bettag, immer am Mittwoch vor dem Ewigkeitssonntag im November, aber auch der Gedenktag für Christen und Juden.
Grün symbolisiert die Hoffnung und das Wachsen und Reifen bzw. die Entfaltung der aufgehenden Saat bis zur Ernte für die ungeprägten Zeiten: Zeit nach Epiphanias (außer am letzten Sonntag nach Epiphanias) sowie die Vorfastenzeit vor dem Aschermittwoch, die Trinitatiszeit an den 24 (variierend) Sonntagen nach Trinitatis. Sie kommt im Kirchenjahr am häufigsten vor.
Über die vier Hauptfarben hinaus gibt es noch sog. Nebenfarben:
Schwarz als Farbe des Todes, der Dunkelheit und der Trauer bei Beerdigungen oder für den Karfreitag.
Rosa als Farbe des aufgehellten Violett findet sich in Übergangszeiten, wie am 4. Advent oder am Sonntag Lätare, dem 4. Sonntag in der Passionszeit. Lätare heißt „Freuet euch!“ und wird in der Mitte der Fastenzeit mit seinem tröstlichen, fröhlicheren Charakter als kleines Osterfest begangen. Das österliche Weiß schimmert schon hindurch.
Unsere nächsten Feste im Kirchenjahr sind das Erntedankfest am 7. Oktober, der Reformationstag am Mittwoch, dem 31. Oktober, und am 21. November der Buß- und Bettag.
Das Kirchenjahr verbindet das Leben Jesu als Grundgeschehen des Glaubens mit dem Ablauf unseres Jahres. Von den Sonntagen des Kirchenjahres her leben lädt ein, das eigene Leben in diese Geschichte hineinzulesen und sie von ihr auch deuten zu lassen. Das ist eine bereichernde, interessante und spannende Begegnung.
Wir haben mit dem Kirchenjahr einen Schatz, den die ersten Christen so noch nicht hatten.
Sie lebten in un­mittelbarer Erwartung der Wiederkunft Christi und eines Weltendes. Erst im 2. Jh. nach Christus wurde das Osterfest auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond gelegt. Jeden Sonntag feiern wir das Fest der Auferstehung Christi. Jeder Sonntag lässt sich sozusagen als kleines Osterfest mit seinem jeweiligen thematischen Schwerpunkt verstehen.
Pfarrerin Anne Petsch